Bei der Hotelsuche vor meiner Reise nach Peking fielen mir einige besondere Merkmale ins Auge: „nur sieben Gästezimmer“, „Mitglied bei SLH“ und „Umbau einer Residenz aus der Ming-Dynastie“. Schließlich entschied ich mich für Cours et Pavillons Hotel Beijing in der Weijia Hutong Nr. 26 im Bezirk Dongcheng. Das 2015 eröffnete Haus umfasst zwei erhaltene *Siheyuan* (traditionelle Hofhäuser); der Süd- und der Nordhof liegen tatsächlich an unterschiedlichen Hutongs – etwa zehn Gehminuten voneinander entfernt –, ein Detail, auf das die Rezeption bereits bei der Buchung hinweist.
Sobald man den Ausgang D der U-Bahn-Station Zhangzizhong Road verlässt und in die Weijia Hutong einbiegt, verstummen der Verkehrslärm und die Hektik der Stadt augenblicklich. Öffnet man das zinnoberrote Holztor, erklingt leise eine Messingglocke. Man betritt einen langen, glasüberdachten Korridor – inspiriert vom British Museum –, der vor Smog schützt und dennoch natürliches Licht hereinlässt; eine gelungene Verbindung aus historischer Residenz und moderner Architektur. Im Empfangsbereich des vorderen Hofes sind Originalwerke von Meistern wie Lin Fengmian neben antiken Möbelstücken zu sehen; der Raum wirkt jedoch nicht wie ein kuratiertes Museum, sondern strahlt die entspannte, wohnliche Atmosphäre eines Privathauses aus.
Ich wohnte in einem etwa 50 Quadratmeter großen Superior-Zimmer im Südhof. Das Zimmer besticht durch ein individuelles Design fernab von Standardlösungen: Ein *Meigui*-Stuhl (Rosenstuhl) harmoniert mit einem Sessel im europäischen Stil, während die Einrichtung durch einen raumhohen Paravent aus *Jinsinan*-Holz, einen Bettrahmen aus Rattan und einen Schrank, der aus einer alten Kampferholztruhe gefertigt wurde, besticht – jedes Stück scheint Geschichte zu atmen. Das Bett ist mit einer Hypnos-Matratze ausgestattet (einem Hoflieferanten des britischen Königshauses), und das Zimmer bietet Kissen in zwei verschiedenen Höhen sowie eine durchgehende Fußbodenheizung; bei geschlossenen Fenstern sind die Geräusche aus dem Hutong kaum noch wahrnehmbar. Das Badezimmer verfügt über getrennte Nass- und Trockenbereiche, Marmorwaschtische und Pflegeprodukte von Acqua di Parma. Während der Wasserdruck in der Dusche eher bescheiden ist, stellt die TOTO-NEOREST-Toilette ein Highlight dar, und das Badeerlebnis ist außergewöhnlich: Die Suiten in den nördlichen und südlichen Innenhöfen verfügen über gusseiserne Badewannen unter Dachfenstern, sodass Gäste den Blick auf die Zierapfel- oder Magnolienbäume des Hofes genießen können. Diesmal konnte ich keine dieser Suiten buchen – ein Grund mehr, mich auf einen zukünftigen Besuch zu freuen. Besonders hervorzuheben sind einige Aspekte des Aufenthalts: erstens die Ruhe – dank der geringen Anzahl an Gästezimmern werden Gespräche in den öffentlichen Bereichen von der Atmosphäre des Innenhofs geschluckt. Zweitens die Temperaturregelung; während alte Häuser oft unter Kälte im Winter oder stickiger Luft im Sommer leiden, sorgt hier eine Kombination aus Fußbodenheizung, einem in den USA gefertigten Frischluftsystem und einer zentralen Wasserfilteranlage für ein bemerkenswert stabiles Raumklima – auch wenn Stammgäste vor einer gewissen Kühle im Frühwinter warnen. Drittens die Details: ein Bluetooth-Lautsprecher im Retro-Stil, der geschickt als Vintage-Radio getarnt ist, per Knopfdruck steuerbare Vorhänge und ein motorisierter, ausfahrbarer Projektor-Fernseher – all dies verbindet traditionellen Charme nahtlos mit modernem Komfort.
Das Frühstück kann im Essbereich oder auf dem Zimmer eingenommen werden; die Auswahl reicht von chinesischem *Douzhi* (fermentierte Mungbohnenmilch) und *Jiaoquan* (knusprig frittierte Teigringe) bis hin zu westlichen Eggs Benedict. Da es nur wenige Gäste gibt, werden die Speisen meist frisch auf Bestellung zubereitet, und Portionen können nachgeordert werden. Im Innenhof befindet sich ein französisches Restaurant unter der Leitung eines Küchenchefs mit Michelin-Erfahrung; westliche Küche an einem antiken Tisch zu genießen, bietet einen einzigartigen, für Peking typischen Kontrast zwischen Alt und Neu. Diesmal habe ich keinen Tisch bekommen, aber ich plane, es bei meinem nächsten Besuch zu versuchen.
Natürlich muss ich ehrlich sein: Bei einem Preis von rund 2.000 Yuan könnten Gäste, die Wert auf brandneue Ausstattung legen, an Abnutzungsspuren am Holzwerk oder gelegentlichen kleinen Problemen mit dem Fernseher oder Festnetztelefon in bestimmten Zimmern Anstoß nehmen. Zudem ist die *Hutong*-Gasse schmal; Wenn man ein Taxi nimmt, ist es zuverlässiger, als Ziel „Weijia Hutong/Dongsi North Street“ anzugeben, anstatt direkt nach dem Namen des Hotels zu suchen.
An meinem letzten Morgen stand ich eine Weile allein im Innenhof; der Tau der Nacht haftete noch an den Blättern des Zierapfelbaums, und ein Stück blassblauer Himmel schimmerte durch das Glasdach. Plötzlich begriff ich, warum Menschen bereit sind, für dieses alte Haus zu zahlen – es geht nicht nur um das Zimmer, sondern um das Gefühl, sanft vom „alten Peking“ umfangen zu werden. Beim nächsten Mal würde ich gerne die Suite im nördlichen Innenhof ausprobieren – in der Badewanne unter dem Dachfenster liegen und dabei zusehen, wie der Schnee auf das mit grauen Ziegeln gedeckte Dach fällt.Mehr anzeigen